Mein nächster Stop war Daejeon, eine Stadt mit ca. 1,5 Mio Einwohnern. Es fühlte sich jedoch viel grösser an, wahrscheinlich auch weil es nur eine mickrige U-Bahn Linie gibt, so dass man zum Teil ziemliche Distanzen zu Fuss zurücklegen muss. Bus fahren? Eher nicht. Ich hatte schon auf der Taxifahrt vom Busbahnhof Probleme, da der Taxifahrer das Hotel einfach nicht fand, obwohl ich ihm Name UND Adresse in koreanisch vorlegen konnte. Er verstand kein Wort englisch und redete die ganze Zeit koreanisch auf mich ein - sehr hilfreich. Irgendwann konnte ich ihm zu verstehen geben, mich an einer U-Bahn Station rauszulassen. Dank offline Karte auf dem Handy (was würde ich ohne machen? Wie bin ich nur früher gereist ohne?) fand ich die letzten 500 Meter dann auch selber zur Unterkunft. Eigentlich wollte ich ja am nächsten Tag eine Sehenswürdigkeit ausserhalb der Stadt anschauen. Ich wusste aber nicht wie ich da genau hinkomme (wo ist Bushaltestelle, welche Busnummer etc), also verwarf ich es gleich sofort. Es gab auch so genug zu sehen und vor allem genug zum laufen. Da war es herrlich, die Füsse in einem Pool heisser Quellen mitten in der Stadt ausstrecken zu können. 30 Minuten lang haben die Füsse von Hausfrau, Geschäftsmann und Tourist nebeneinander gebadet.
Zum Teil hat mich Daejeon ein wenig ans Rheinvorland erinnert. Tolle Erholungswege mitten in der Stadt. Daejeon ist vor allem für seine vielen Museen bekannt, wegen des ungewöhnlichen Wetters (fast 30 Grad) bin ich aber draussen geblieben. Auch abends war viel los auf den Einkaufsstrassen und im Ausgehviertel. Ich habe einen neuen Lieblingssnack entdeckt: Tteokkbokki (siehe Bild), Reiskuchen in halbwegs scharfer Sauce.
Falls ihr denkt, dass die Stadt auf dem ersten Bild jetzt nicht speziell schön aussieht: das stimmt schon, schlussendlich war Daejeon 'nur' eine weitere koreanische Grossstadt ohne ein spezielles Gebäude, dass in der Skyline raussticht. Ich fand es trotzdem nett dort. Am nächsten Tag ging es auf meiner ersten Zugfahrt weiter nach Daegu. Von Daegu habe ich kein einziges Foto, da es nur ein Zwischenstop war. Obwohl mit ca. 2,5 Mio Einwohnern grösser als Daejeon war es viel aufgeräumter und übersichtlicher. Lustigerweise benötigt man die U-Bahn nicht für die Stadtmitte. Da kann man herrlich von einem Shop zum nächsten flanieren und verhungert dabei auch nicht. Erst am nächsten Tag musste ich die U-Bahn benützen um die Busbahnhöfe zu wechseln. Daegu hat 4 davon und natürlich sind die in alle Himmelsrichtungen verstreut. Klingt zuerst schlimmer als es ist. Dank der guten Anbindung ans U-Bahn Netz muss man sich nicht mit Taxifahrern rumschlagen die kein englisch können (und die Taxifahrer sind froh wenn ich nicht bei ihnen einsteige!).
Von Daegu ging es ins Haeinsa-Kloster wo ich übernachtet habe. Lustigerweise musste ich von der Busstation natürlich wieder ein Taxi nehmen. Da es der Endbahnhof beim Kloster war musste jedem klar sein, wo ich hin wollte. Aber der Taxifahrer der sonst nichts verstand (oder ich ihn nicht, wie man will) , wusste genau ein Wort: Tempelstay! Ja genau, ich habe im Tempel übernachtet. Da nicht gerade Saison herrscht, hatte ich den ganzen Raum für mich alleine. Geschlafen wurde traditionell auf dünnen Matten am Boden. Der Boden wird beheizt, für meinen Geschmack leider viel zu heiss. Mein Gepäck wurde gleich mitgegrillt. Ich hatte den 'lockeren' Tempelstay gebucht (der mit Programm fand glaubs gar nicht statt da zu wenig Leute) und 'musste' nichts mitmachen. Nur die Kleidung musste ich anziehen und mich an gewisse Verhaltensregeln halten. Abends habe ich jedoch dem Getrommle und den Gesängen der Mönche gelauscht. Die Trommelei war draussen auf einem Vorplatz und sehr eindrücklich. Später sangen dann im Tempel ca 30 Mönche zusammen. Leider verliessen die alle nach einem Weilchen den Tempel und der eine Mönch sang alleine weiter. Mit der Zeit (nachdem er sich 15 Minuten wiederholt hatte!) wurde es aber ein wenig eintönig und auch kalt im Tempel. Ich muss dazu sagen, dass es 24 Stunden nonstop in Strömen geregnet hat. Meine Ausrede um am nächsten Morgen um 4 Uhr nicht aufzustehen und das Ganze noch einmal anzuhören. Fürs Frühstück um 6 Uhr stand ich aber auf - lecker Reis uns Gemüse. Wegen des Dauerregen legte ich mich aber ehrlich gesagt danach wieder hin. Das Kloster liegt wunderbar in der Natur draussen, aber bei Dauerschiff ist es nicht gerade erholsam und angenehm, aaaa@die Gegend auszukundschaften. Mein erster richtiger Regentag auf der Reise! Am frühen Vormittag machte ich mich wieder auf in die Zivilisation, obwohl es im Kloster wider Erwarten sogar WiFi gegeben hatte.
Wohin wenn nicht Asien? Nach meinem ausgedehnten Besuch in Südostasien und Südasien (2013) sind nun drei mir (fast) unbekannte Länder an der Reihe: Taiwan, Südkorea und Japan. Für insgesamt 12 Wochen sage ich der Schweiz und meinem Job bye-bye bevor ich dann wieder rechtzeitig zur Fussball WM nach Hause zurückkehre.
Mittwoch, 25. April 2018
Korea: Daejeon, Daegu und Haeinsa-Kloster
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